Mythos Intuition

Ob eine Entscheidung gut oder schlecht ist, stellt sich immer erst im Nachhinein heraus. Und selbst dann ist eine Beurteilung unter Umständen problematisch, weil wir im Grunde ja nie wissen können, ob eine andere Entscheidung nicht doch besser gewesen wäre.

 

Glaubt man den Gehirnforschern, dann treffen wir täglich rund 20.000 Entscheidungen. Jede einzelne Entscheidung kostet Kraft und Energie. So wissen wir, dass unser Gehirn zwar nur einen Bruchteil unseres Körpergewichts ausmacht, dass es aber jede Menge Energie verbraucht. Im Ruhezustand benötigt unser Gehirn bereits 20 % des gesamten Energiebedarfs unseres Körpers. Wenn wir nachdenken oder Entscheidungen treffen, dann steigt der Energiebedarf unseres Körpers sprunghaft an.

 

Deshalb macht es absolut Sinn, wenn wir uns bei dem Großteil unserer Entscheidungen das Leben leicht machen. Verschiedene Experten aus dem Bereich der Arbeitsoptimierung empfehlen sogar, dass man bei Entscheidungen, die keine großen Konsequenzen nach sich ziehen, eine Münze werfen und sich nur auf die wirklich relevanten Entscheidungen konzentrieren solle.

 

Ein anderes Instrument, das uns beim „Energiesparen“ helfen soll und das zunehmend in Mode kommt, ist die Intuition oder umgangssprachlich, das Bauchgefühl. Ganze Bücher werden darüber geschrieben und Trainings werden abgehalten, wie wir unsere Intuition besser nutzen können.

 

Wenn wir unser Bauchgefühl so nutzen wollen, dass es uns wirklich hilft, gute Entscheidungen zu treffen, dann sollten wir verstehen, wie unsere Intuition funktioniert.

Dazu müssen wir wissen, dass unser Unterbewusstsein nur auf Bilder und Erfahrungen zurückgreifen kann, die schon in unserem Gehirn abgespeichert sind, die wir also schon „erlebt“ und „gelernt“ haben. Es gibt einen äußeren Reiz und wir reagieren unbewusst darauf. Das funktioniert gut in Bereichen, in denen wir über viel Erfahrung verfügen, wo wir quasi bereits Experten sind. In Situationen, in denen wir über wenig Erfahrung verfügen, greift unser Gehirn auf „irgendwelche“ Erfahrungen zurück und gaukelt uns eine Sicherheit vor, die es nicht gibt. Die Trefferquote ist dann in etwa gleich gut wie bei einem Münzwurf.

 

Wir hören immer wieder die Geschichten von Feuerwehrleuten, die ein brennendes Gebäude fluchtartig verlassen, kurz bevor es einstürzt. Fragt man sie unmittelbar darauf, was der Auslöser für die Flucht war, können sie das oft gar nicht benennen. Erst später, mit einigem Abstand zum Ereignis, rücken dann Eindrücke in das Bewusstsein, die ein Bild ergeben haben. Und eben dieses Bild hat dann die plötzliche Flucht veranlasst. Dahinter stehen jahrelange Erfahrung in unterschiedlichen Situationen, eine Vielzahl von Schulungen, Erfahrungsaustausch mit Kollegen oder aber auch der eine oder andere beinahe Unfall. Das alles hat sich zu einem Erfahrungswissen zusammengefügt, auf das das Unterbewusstsein intuitiv in der Situation zurückgreifen konnte.

 

Je chaotischer und zufallsabhängiger eine Situation aber ist oder je weniger Erfahrung wir in bestimmten Situationen haben, umso weniger funktioniert unsere Intuition (siehe auch Blog Zufall und Irrtum). Dann sind wir in der Situation des Münzwurfs. Unser Bauchgefühl ist dann unzuverlässig. In solchen Fällen braucht es das Abwägen von Fakten und natürlich auch einen Schuss Bauchgefühl. Aber nicht mehr.


Eine Frage der Robustheit (0 … 10 Fragen)

 

Auf einer Skala von 0 bis 10, wie gut können Sie zwischen wichtigen und unwichtigen Entscheidungen unterscheiden?

0 … Jede Entscheidung erscheint mir als wichtig. Es fällt mir sogar schwer, mich morgens für die Garderobe für den Tag zu entscheiden (die Garderobe steht hier nur als Symbol für kleine Entscheidungen mit geringer Konsequenz … ).

10 … Ich kann sehr präzise bestimmen, welche Entscheidung wichtig ist und schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringt, und ich bringe die entsprechende Aufmerksamkeit dafür auf.

Auf einer Skala von 0 bis 10, wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie wichtige Entscheidungen treffen?

0 … Ich bin vollkommen verunsichert, hinterfrage meine Entscheidung permanent und revidiere sie auch immer wieder, weil ich so unsicher bin.

10 … Ich vertraue auf meine Entscheidung, beobachte die Konsequenzen meiner Entscheidung genau und treffe, wenn es erforderlich ist, Anpassungen.

 

Bereuen Sie einmal getroffene Entscheidungen immer wieder? In welchen Situationen passiert Ihnen das? Wie gehen Sie damit um?