Umsatz. Deckungsbeitrag. Gewinn. Das alles sind Größen, mit denen man ein Unternehmen steuert. Stimmt auch. Wenn Sie aber nur einen Wert zur Verfügung hätten, um Ihr Unternehmen zu steuern, dann wäre das der Cashflow.
Warum? Weil Gewinn manchmal wie das Wetter in der App wirkt: interessant, aber nicht immer das, was Sie draußen tatsächlich antreffen. Cash dagegen ist der Benzinstand. Und wenn der auf „leer“ steht, hilft es wenig, dass der Motor theoretisch 300 PS hat.
Gewinn ist Theorie. Cash ist Realität.
Der Gewinn ist eine rechnerische Größe. Den brauchen Sie für die Berechnung der Steuern und ein „schönes“ Bilanzbild.
Cashflow ist einfacher (und gnadenloser): Was kommt rein? Was geht raus? Und was bleibt übrig?
Also der Saldo Ihrer Zahlungsströme.
In der täglichen Realität interessiert uns genau das:
- Können Sie Löhne pünktlich zahlen?
- Können Sie Lieferant:innen bezahlen, ohne dass die Stimmung „ein italienisches Drama“ anmutet?
- Können Sie Zinsen bedienen und Kredite tilgen?
Provokant formuliert (mit einem Augenzwinkern): Mit einem schwachen Gewinn kann man manchmal leben. Mit einem leeren Konto nie.
Kurz gesagt: Der Gewinn bezahlt keine Rechnung.
Der unterschätzte Cashflow: Ihr Zukunftsmotor
Viele denken bei Cashflow nur ans „Überleben bis Monatsende“. Das ist die kurzfristige Sicht und sie ist auch richtig. Die noch wichtigere Frage lautet aber: Wie robust ist Ihr Unternehmen in 6, 12 oder 24 Monaten?
Denn Entwicklung kostet Geld. Immer. Zum Beispiel:
- Weiterbildung: Nicht nur fürs Team, besonders auch für Sie als Chef:in.
- Infrastruktur: Maschinen, Fahrzeuge, IT, Werkzeuge – und ja, auch die nervigen Updates.
- Innovation: Neue Produkte, neue Technologien, bessere Prozesse.
- Experimente: Neues ausprobieren hat keine Erfolgsgarantie. Manchmal ist es ein Treffer, manchmal ein Lernmoment mit Rechnung.
- Fehler & Schäden: Projekte laufen schief, Kosten [MOU1] , Menschen sind Menschen.
- Privates: Manchmal wollen Sie sich auch Wünsche erfüllen, die über Ihr laufendes Budget hinausgehen.
Die Frage ist nicht, ob so etwas kommt, sondern wann es kommt. Und dann entscheidet der Cashflow, ob Sie handeln können oder nur hoffen.
„Rollierende Liquiditätsplanung“ – simpel erklärt
Viele Engpässe sind nicht „plötzlich“, sie sind nur unbemerkt. Dagegen hilft ein Werkzeug, das ich wirklich jedem KMU ans Herz lege:
Sie nehmen Ihren aktuellen Konto- und Kassenstand. Dann planen Sie die zahlungswirksamen Ein- und Ausgänge (idealerweise wöchentlich): Kundenzahlungen, Löhne, Miete, Steuern, Lieferanten, Kreditraten. Und dann ersetzen Sie jede Woche Plan durch Ist. Schritt für Schritt.
Der „Uniprofessor“ nennt das „rollierende Liquiditätsplanung“.
Der Effekt ist enorm: Sie sehen Engpässe früh. Und wenn Sie früh sehen, können Sie früh steuern: Zahlungsziele verhandeln, Rechnungen schneller rausschicken, Investitionen takten, Kreditlinie rechtzeitig ansprechen.
Ganz praktisch: Zur Bank zu gehen, wenn das Konto schon röchelt, ist wie zum Zahnarzt zu gehen, wenn der Zahn bereits weg ist. Mit einem sauberen Liquiditätsplan wirken Sie dagegen vorbereitet – und das stärkt Ihre Position.
Eine Frage der Robustheit
Mal ganz ehrlich: Haben Sie einen Liquiditätsplan, den Sie ohne große Vorbereitung vorlegen könnten – und der Ihnen heute sagt, wie es in 8 Wochen
aussieht?
Wenn nein: Das ist keine Schande. Aber es ist ein Hebel. Und einer der wirkungsvollsten.
Denn am Ende gilt: Cash is King. Und Liquiditätsklarheit ist Ihre Lebensversicherung.
