Der Jahresbeginn ist die Hochsaison für Vorsätze – privat und im Unternehmen. Wir nehmen uns Besserung vor, schreiben Ziele auf, besuchen vielleicht sogar den einen oder anderen Online-Kurs zur „perfekten Zieldefinition“. Und trotzdem: Nach ein paar Wochen ist vieles wieder beim Alten.
Aus meiner Arbeit mit Eigentümer:innen und Geschäftsführer:innen kleiner und mittlerer Unternehmen weiß ich: Meist liegt es nicht an den Zielen. Es fehlt schlicht der Platz für das Neue. Wir stapeln neue Vorhaben auf einen ohnehin schon vollen Alltag – so wie wir im Urlaub alles ins Auto stopfen, bis auch die letzte Ritze gefüllt ist.
Mit dem Wohnraum geht es uns
ähnlich:
Mehr Platz bedeutet selten mehr Ordnung, sondern meist nur mehr Dinge. Das Unternehmen funktioniert da nicht anders. Jede freie Minute wird belegt, jede neue Idee bekommt irgendwo noch ein
Eckerl. Irgendwann ist der Kofferraum voll und wir wundern uns, warum nichts mehr hineinpasst.
Die Lösung ist simpel, aber nicht leicht: Ausmisten. Bevor Sie neue Projekte, Strategien oder Produkte starten, braucht es Luft, Zeit und Aufmerksamkeit. Im Haushalt hilft uns dabei Marie Kondo mit der Frage: „Does it spark joy?“ – macht mich das glücklich? Im Unternehmen braucht es eine ähnliche Frage: Bringt uns das wirklich weiter?
Ein spannendes Konzept dazu beschreibt Greg McKeown in seinem
Buch „Essentialismus“. Vereinfacht gesagt geht es um konsequenten Fokus auf das Wesentliche und darum, den ganzen Rest mutig zu streichen. Eine Professorin für Betriebswirtschaft würde dazu
vielleicht sagen:
„Das ist eine radikale Priorisierungsstrategie.“ Klingt logisch. Trotzdem scheitert es in der Praxis oft an unseren Gewohnheiten. Routinen, die einmal sinnvoll waren, laufen einfach weiter. Aktivitäten, die wenig bringen, sind „halt da“
und fallen niemandem mehr auf. Und manches behalten wir nur, weil wir uns schwertun, loszulassen – im Unternehmen wie im Kleiderschrank.
Bevor Sie also das neue Jahr durchplanen und große Ziele
formulieren, nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und schaffen Sie Platz.
Fragen Sie sich ganz bewusst: Was darf gehen, damit Wichtiges kommen kann?
Hier ein paar typische Fundstellen für unnötigen Ballast:
- Immer dann, wenn ein hoher Abstimmungsaufwand nötig ist, damit selbst Routineabläufe funktionieren, deutet das auf eine unpassende Organisation hin.
- Kund:innen, die extrem viel Aufmerksamkeit brauchen, aber kaum Deckungsbeitrag liefern, sind oft teure Liebhabereien.
-
Fehler, die immer wieder
passieren, kosten Zeit, Geld und Nerven.
Hier lohnt es sich zu prüfen, ob der Prozess selbst überarbeitet oder ganz gestrichen werden kann. - Abläufe, die „schon immer so“ gemacht wurden, obwohl sich Rahmenbedingungen längst geändert haben, sind ideale Kandidaten zum Ausmisten.
- Tätigkeiten, über die Sie sich regelmäßig ärgern, sind ein Warnsignal. Vielleicht trauen Sie Ihren Mitarbeitenden zu wenig zu. Oder Sie erledigen Aufgaben selbst, die ein externer Dienstleister günstiger und besser übernehmen könnte.
Diese Liste ist nicht vollständig, aber sie liefert Ihnen ein paar Ideen. Sie werden weitere Themen entdecken, insbesondere jene hartnäckigen „Das muss ich selbst machen“-Aufgaben, die Sie davon abhalten, am statt nur im Unternehmen zu arbeiten.
Eine Frage der Robustheit
Nehmen Sie sich also bewusst Zeit und gehen Sie Ihre Liste durch:
- Was beenden Sie sofort?
- Wovon trennen Sie sich schrittweise?
- Was delegieren oder automatisieren Sie?
